Zusammenfassung: Aufsuchende Hilfen sind ein relevanter Baustein sektorenübergreifender pädiatrischer Versorgung. Sie helfen, das sogenannte Präventionsdilemma zu mindern: Viele medizinisch oder psychosozial belastete Familien werden trotz bestehender Angebote nicht oder zu spät erreicht. Ursachen sind fehlendes Problembewusstsein, unklare Zugänge, Versorgungsfragmentierung und regionale Unterschiede. Soziale Determinanten beeinflussen kindliche Gesundheit erheblich. Chronische Erkrankungen, Behinderungen und Entwicklungsrisiken treten häufiger in belasteten Lebenslagen auf. Damit erweitert sich der Auftrag der Pädiatrie von reiner Akutmedizin hin zu alltagsorientierter Koordination und Unterstützung im Lebensumfeld der Familien. Zu den zentralen aufsuchenden Angeboten zählen die sozialmedizinische Nachsorge, ambulante Kinderkrankenpflege, spezialisierte ambulante Palliativversorgung, Familienhebammen und Frühe Hilfen, Frühförderung, Lotsendienste, sozialpädagogische Familienhilfe, stationsäquivalente psychiatrische Behandlung sowie mobile SPZ-Teams und Case-Management-Modelle. Sie sichern häusliche Versorgung, stärken elterliche Selbstwirksamkeit, koordinieren komplexe Hilfesysteme und beugen Krisen sowie Rehospitalisierungen vor. Trotz vielfältiger Strukturen bestehen Finanzierungslücken, fehlende Verbindlichkeit und regionale Ungleichheiten. Eine systematische, gesetzlich abgesicherte Verankerung aufsuchender Hilfen könnte die Versorgung vulnerabler Kinder nachhaltig verbessern. Onlinedatenbank: med-search
Autoren: S. Siefert
Rubrik: Jugendmedizin, Radiologie, Diverses
Verlag: mgo fachverlage GmbH & Co. KG
Stichworte: Aufsuchende Hilfen, Familie, Lotsendienste, Sozialmedizin, sozialmedizinische Nachsorge, Versorgungskoordination, vulnerable Familien
ISSN: 0030-9346
Institut: Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg